Das politische System im Brettspiel „Politik“

Politik ist komplex, ein Brettspiel vereinfacht und lässt Unschärfe zu. Nichtsdestotrotz bildet das Spiel „Politik“ die wesentlichen Institutionen eines politischen Systems ab: Das Spiel dauert eine Legislaturperiode und beginnt mit einer demokratischen Wahl. Durch die Wahl wird die Stärke der vier Parteien im Parlament festgelegt. Die Fraktionen besetzen das Parlament in der Mitte des Spielbretts, an dessen vier Ecken sich jeweils ein separater Bereich zur Darstellung des Rückhalts der einzelnen Parteien befindet. Am oberen Rand des Spielbretts wird die Lage der Nation angezeigt. Daneben befindet sich das nationale Gesetzbuch, in welches die verabschiedeten Gesetze aufgenommen werden. Gesetze müssen mehrheitlich beschlossen werden und werden dazu auf die Tagesordnung des Parlaments gesetzt. Bevor ein Gesetz jedoch zur Abstimmung kommen kann, muss es zuvor auf die öffentliche Agenda am unteren Ende des Spielbretts gesetzt worden sein.

Die Abläufe im Spiel orientieren sich an dem in der Forschung bekannten Politikzyklus und bilden diesen rudimentär ab: Der Politikformulierung folgen Agenda-Setting und Politikimplementierung. Die Stärke des Landes bzw. dessen Erfolg wird in der Lage der Nation auf vier Bereiche radikal vereinfacht: Sicherheit umfasst die innere und äußere Sicherheit des Landes, die Ökologie bezieht sich auf die Umwelt und die Gesundheit, die Gemeinschaft auf den sozialen Zusammenhalt und die Ökonomie auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die Spieler:innen des Spiels werden merken, dass die vier Parteien in jeweils einem Bereich über entsprechend mehr Handlungskompetenz verfügen.

Die in realen modernen Demokratien etablierte Gewaltenteilung in Exekutive, Legislative und Judikative gibt es im Spiel nicht bzw. wird im Spiel der Einfachheit halber nicht trennscharf dargestellt: Zwar üben Gerichte als Judikative in Aktionskarten Einfluss auf den politischen Prozess aus, jedoch fehlt die Unterscheidung in Exekutive (Regierung, Ministerien) und Legislative (Parlament). Dass Parteichef:innen Gesetzesinitiativen zugleich auf die öffentliche Agenda und ins Parlament bringen, sie über diese entscheiden und letztlich implementieren, entspricht nicht der Realität. In Deutschland zum Beispiel entwickelt die Regierung Gesetze (Exekutive) und bringt sie zur Abstimmung ins Parlament (Legislative).

Im Gegensatz zu den meisten parlamentarischen Demokratien gibt es im Spiel keine feste Koalition mit Regierungsfraktionen und Oppositionsfraktionen im Parlament. Das politische System des Spiels ähnelt daher einer Art Konsensdemokratie, in der ohne feste Für- oder Gegen-Blöcke für jede Gesetzesinitiative neue Mehrheiten gesucht und gefunden werden müssen. In Deutschland entspräche dieses System einer Minderheitsregierung: Die größte Partei des Parlaments verfügt über keine eigene Mehrheit und sucht sich für jedes politische Vorhaben andere Parteien als Verbündete.

Politische Akteure, die im Spiel kaum und lediglich in Aktions- und Parteikarten in Erscheinung treten, sind Interessenvertreter:innen aus der Wirtschaft und aus der Zivilgesellschaft. In der Realität werden sie in jeder Phase des politischen Prozesses eingebunden und üben als Lobbyisten Einfluss auf die öffentliche Agenda und die Gesetzgebung aus.

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