Was ist Politik?

Politik ist nicht bloß ein System oder ein Herschaftsverhältnis, sondern kann als das Zusammenleben und miteinander Handeln von Menschen verstanden werden.

Die politische Theoretikerin Hannah Arendt versteht Politik als einen Weltbereich und das Resultat des menschlichen Herstellens und Handelns: ein Bereich zwischen den Menschen, „in dem Menschen primär als Handelnde auftreten und menschlichen Angelegenheiten eine ihnen sonst nicht zukommende Dauerhaftigkeit verleihen“ (Arendt 2015: 14f). Das heißt: Ein einzelner Mensch kann nicht politisch handeln, er braucht andere Menschen dazu. Politik ist daher nicht per se da, sondern sie entsteht durch das Handeln zwischen den Menschen: „Politik entsteht im Zwischen und etabliert sich als der Bezug“ (Arendt 2015: 11).

Den Sinn von Politik als das miteinander Handeln von Menschen kann man in dem Zielbild einer guten Gesellschaft auffassen. Die zentrale Frage ist, wie die Menschen zusammenleben wollen. Sobald mindestens zwei Menschen zusammenleben, entsteht eine Gesellschaft. Sie kann quantitativ theoretisch eine unendlich große Anzahl an Menschen umfassen. Die gute Gesellschaft als das Ziel von Politik ist nicht real, sondern ein Bild oder eine Geschichte in den Köpfen der Menschen. Die Vorstellungen von dieser können sehr unterschiedlich sein – gemeinsam ist ihnen lediglich, dass sie von einem Ist-Zustand (wie die Gesellschaft aktuell ist) auf einen Soll-Zustand (wie die Gesellschaft in Zukunft sein soll) abzielen. Zur Formulierung dieser beiden Zustände nutzt der Mensch ein „weltanschauliche[s] System von Überzeugungen“ (vgl. Weiß 2005: 360), das wir gemeinhin als Ideologie bezeichnen (–>weiter/ideologien).

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